Kaufratgeber · Lesezeit ca. 7 Min.
Wasser ist der Prüfstein jedes Papiers. Beim Aquarellmalen wird das Blatt nass, mit Farbe überlagert, ausgewaschen, wieder angefeuchtet und trocknet am Ende im besten Fall plan und farbintensiv. Ein normales Zeichenpapier wirft dabei Wellen, rauht auf oder lässt die Farbe fleckig auslaufen. Der Aquarellblock ist dafür gebaut: schweres, saugfähiges und zugleich geleimtes Papier, oft rundum verleimt, damit es sich beim Malen kaum verzieht. In diesem Ratgeber geht es um die Kriterien, die für Aquarellpapier wirklich zählen. Im Sortiment finden Sie Blöcke von canson, HAHNEMÜHLE, folia, RÖMERTURM, Lumart®, OXFORD und herlitz.
Was Aquarellpapier anders macht
Drei Eigenschaften unterscheiden Aquarellpapier von einem Zeichenblock oder Malblock:
- Hohe Grammatur: Typisch sind 200 bis 300 g/m², in der Schule auch etwa 150 g/m². Je schwerer das Blatt, desto mehr Wasser nimmt es auf, ohne sich stark zu wellen.
- Leimung: Aquarellpapier ist so geleimt, dass Farbe nicht sofort ins Papier sackt, sondern sich auf der Oberfläche verteilen, verlaufen und bei Bedarf wieder anheben lässt.
- Strukturierte Oberfläche: Eine Körnung hält Pigmente fest und erzeugt die typischen lebendigen Flächen. Je nach Herstellung ist sie fein, mittel oder grob.
Grammatur: 150, 200 oder 300 g/m²?
Die Grammatur ist die wichtigste Zahl auf dem Deckblatt. Eine grobe Orientierung:
| Grammatur | Verhalten bei Nässe | Geeignet für | Beispiele im Sortiment |
|---|
| etwa 150 g/m² | wellt bei viel Wasser, gut für leichte Lasuren | Schule, erste Versuche, Kinder | folia Aquarellblock SCHULE, DIN A4 und A3 |
| etwa 200 g/m² | deutlich stabiler, mäßige Nass-in-Nass-Technik | Kurse, Übungsserien, Hobby | folia 30 × 40 cm und 36 × 48 cm, canson Montval 200 g/m² mit 100 Blatt |
| etwa 265 g/m² | robust, gut für Mischtechniken | Studien, kleine Formate | HAHNEMÜHLE Bamboo |
| etwa 300 g/m² | trägt viel Wasser, kaum Verzug im verleimten Block | ambitionierte Hobbymaler, Künstler | canson Montval und XL, HAHNEMÜHLE Britannia, RÖMERTURM Classic Line, Lumart®, OXFORD Watercolour |
Die Werte sind Richtwerte, denn Faser, Leimung und Verleimung des Blocks beeinflussen das Verhalten ebenfalls. Als Faustregel gilt: Wer mit nassen Flächen, Verläufen und mehreren Schichten arbeitet, sollte nicht unter 200 g/m² gehen.
Oberfläche: Satiniert, matt, rau
Bei Aquarellpapier begegnen Ihnen drei klassische Oberflächen, oft mit englischen Begriffen:
- Satiniert (Hot Pressed, HP): glatt, fast ohne Korn. Gut für feine Details, botanische Illustration und Kombination mit Tuschefeder.
- Matt bzw. Feinkorn (Cold Pressed, CP / NOT): die vielseitige Mitte mit spürbarer Struktur. Der übliche Standard für die meisten Aquarellmaler.
- Rau (Rough): grobe Körnung, starke Struktur, ideal für expressive Landschaften und Trockenpinseltechnik.
Welche Oberfläche ein bestimmter Block hat, entnehmen Sie der Produktseite. Für Einsteiger ist eine mittlere Körnung meist die beste Wahl, weil sie Fehler verzeiht und viele Techniken zulässt.
Rundum verleimt oder nur am Kopf?
Ein großer Vorteil vieler Aquarellblöcke ist die Verleimung an mehreren Seiten. Das Blatt bleibt beim Malen am Block fixiert und spannt sich beim Trocknen wieder glatt. Bei folia finden Sie zum Beispiel den Aquarellblock SCHULE mit Verleimung an drei Seiten. Nach dem vollständigen Trocknen lösen Sie das oberste Blatt mit einem stumpfen Messer oder Spachtel an der freien Kante.
Bei nur einseitig verleimten Blöcken oder Einzelblättern empfiehlt es sich, das Papier vor dem Malen auf ein Brett zu spannen: 1. Blatt kurz mit sauberem Wasser durchfeuchten. 2. Auf ein glattes Holz- oder Kunststoffbrett legen. 3. Ränder mit Nassklebeband fixieren. 4. Vollständig trocknen lassen: Das Papier zieht sich glatt. 5. Malen und erst nach dem Trocknen vom Brett schneiden.
Im Sortiment reicht die Spanne von Miniformaten wie dem HAHNEMÜHLE Bamboo in 10,5 × 8,0 cm für Farbkarten und Postkartenstudien über 17 × 24 cm und 24 × 32 cm bis 30 × 40 cm und 36 × 48 cm. Dazu kommen DIN A4 und A3. Kleine Formate eignen sich zum Üben und für unterwegs, große für Landschaften und Ausstellungsstücke. Die Blattzahl liegt typisch zwischen 10 und 30 Blatt, beim canson Montval in 24 × 32 cm mit 200 g/m² auch bei 100 Blatt, was für Kurse und Übungsserien interessant ist.
Zielgruppen: Schule, Kurs, Atelier
Schule: Im Kunstunterricht genügt meist ein Block um 150 g/m² in DIN A4 oder A3. Er verträgt Wasserfarbkasten und Deckfarben, ohne dass die Klasse in teures Künstlerpapier investieren muss.
Volkshochschule, Malkurs, Seniorenresidenz: Hier zahlen sich Blöcke um 200 bis 300 g/m² aus. Teilnehmende sehen sofort, wie sich Farben auf gutem Papier verhalten, und das Erfolgserlebnis ist größer.
Atelier und ambitioniertes Hobby: 300 g/m², verleimt, in mehreren Formaten. Künstlerinnen und Künstler testen oft verschiedene Marken, weil Körnung und Saugverhalten je nach Hersteller spürbar variieren.
Kita und Therapie: Für Nass-in-Nass-Malen nach der Waldorf-Tradition oder in der Kunsttherapie ist ein stabiles, saugfähiges Papier wichtig, das auch mehrfaches Befeuchten verträgt.
Beispielrechnung für einen Malkurs
Ein Kurs mit 12 Teilnehmenden, acht Termine, pro Termin zwei Blätter pro Person:
- 12 × 8 × 2 = 192 Blätter
- bei Blöcken zu 20 Blatt: knapp 10 Blöcke
- plus etwa 10 Prozent Reserve für misslungene Versuche: 11 Blöcke
Bildungseinrichtungen und Vereine können auf Rechnung bestellen, bei größeren Mengen greifen Staffelpreise.
Häufige Probleme und Lösungen
- Papier wellt stark: Grammatur zu niedrig oder zu viel Wasser. Höhere Grammatur wählen, verleimten Block nutzen oder Papier spannen.
- Farbe wird fleckig, „Blumenkohl“-Ränder: Nasse Farbe läuft in eine halbtrockene Fläche. Entweder ganz nass oder ganz trocken weiterarbeiten.
- Oberfläche raut auf: Zu viel Schrubben mit dem Pinsel. Weichere Pinsel verwenden und Korrekturen behutsam anheben.
- Blatt reißt beim Lösen vom Block: Erst vollständig trocknen lassen, dann mit einem flachen, stumpfen Werkzeug rundum lösen.
- Farben wirken stumpf: Papier mit zu starker Saugkraft oder zu wenig Pigment. Probeflächen auf dem Rand helfen beim Einschätzen.
Vier Grundtechniken zum Ausprobieren
Ein neuer Block lässt sich am besten mit einer kleinen Testreihe kennenlernen. Teilen Sie ein Blatt in vier Felder:
1. Lasur: eine helle Farbschicht trocknen lassen, dann eine zweite darüberlegen. Bleibt die erste Schicht ruhig, ist die Leimung gut. 2. Nass in Nass: Feld anfeuchten und Farbe hineintupfen. Hier zeigt sich, wie weich das Papier Verläufe zulässt. 3. Trockenpinsel: wenig Farbe, fast trockener Pinsel, schnell über die Fläche. Die Körnung wird sichtbar. 4. Auswaschen: eine getrocknete Fläche mit feuchtem Pinsel aufhellen. So testen Sie, wie robust die Oberfläche ist.
Notieren Sie Marke, Grammatur und Eindruck am Rand. Nach einigen Blöcken haben Sie eine persönliche Referenzkarte, die bei der nächsten Bestellung hilft.
Lagerung
Aquarellpapier reagiert auf Luftfeuchtigkeit. Lagern Sie Blöcke flach, trocken und nicht in direkter Sonne. Fingerfett auf der Oberfläche kann später Farbe abweisen, deshalb fassen Sie das Blatt vor allem an den Rändern an. Fertige Bilder werden mit säurefreiem Zwischenpapier gelagert.
Abgrenzung zu verwandten Blöcken
Ein Malblock ist für Buntstift, Wachsmalkreide und Fingerfarbe der Kinder gedacht und meist deutlich leichter. Ein Zeichenblock trägt Deckfarben im Kunstunterricht, aber keine nassen Lasuren über viele Schichten. Skizzenblöcke sind für schnelle, trockene Studien gemacht. Nur der Aquarellblock ist konsequent auf Wasser ausgelegt.