Kaufratgeber · Lesezeit ca. 7 Min.
Nadeldrucker gelten als Auslaufmodell – und sind doch in Lagern, Speditionen, Werkstätten, Apotheken und Verwaltungen nach wie vor im Dauereinsatz. Der Grund ist einfach: Kein anderes Druckverfahren erzeugt in einem einzigen Durchgang ein Original und mehrere Durchschläge. Dafür braucht der Drucker Endlospapier, auch Tabellierpapier, Leporellopapier oder Computerpapier genannt. Es ist zickzackgefalzt, an den Seiten gelocht und wird vom Traktor des Druckers ohne Unterbrechung eingezogen. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Formate und Lagenzahlen es gibt, worauf es bei der Grammatur ankommt und wie Sie typische Probleme wie Papierstau oder blasse Durchschläge vermeiden.
So funktioniert Endlospapier
Ein Bogen Endlospapier besteht aus drei Zonen: dem eigentlichen Druckbereich in der Mitte und zwei schmalen Randstreifen mit Führungslochung. Die Stifte des Traktors greifen in diese Löcher und ziehen das Papier gleichmäßig durch den Drucker. Dadurch läuft das Papier auch bei langen Druckaufträgen exakt gerade, Zeile für Zeile.
Zwischen den einzelnen Formularen sitzt eine Querperforation. An ihr wird das Papier nach dem Druck getrennt – entweder von Hand oder mit einer Abreißkante am Drucker. Zusätzlich sind die Randstreifen über eine Längsperforation abtrennbar. Nach dem Entfernen bleibt ein sauberer Bogen, der sich wie gewöhnliches Papier abheften lässt.
Gefaltet ist das Papier im Zickzack, also abwechselnd nach vorn und nach hinten. Der Stapel steht hinter oder unter dem Drucker, das bedruckte Papier faltet sich auf der Ablage wieder zusammen. So können Hunderte Seiten ohne Nachlegen durchlaufen.
Endlospapier wird anders bemaßt als Kopierpapier. Die Breite wird in der Regel in Millimetern inklusive Lochrand angegeben, die Länge eines Formulars dagegen in Zoll, weil Nadeldrucker mit festen Zeilenabständen in Zoll arbeiten. Ein Beispiel: Das verbreitete Format „A4 hoch“ misst typischerweise 240 mm in der Breite und 12 Zoll (etwa 305 mm) in der Länge. Nach dem Abtrennen der Ränder entsteht ein Blatt in etwa A4-Größe.
Im Sortiment finden Sie diese Ausrichtungen:
- A4 hoch: das Standardformat für Rechnungen, Lieferscheine und Listen im Hochformat.
- A4 quer: für breite Tabellen und Auswertungen, die im Querformat gelesen werden.
- A3 quer: das klassische breite Tabellierformat für umfangreiche Listen mit vielen Spalten. Es setzt einen Drucker mit breitem Wagen voraus.
- A5 hoch: für kleinere Belege, Etiketten-Begleitscheine oder Quittungen.
Prüfen Sie vor dem Kauf, welche maximale Papierbreite Ihr Drucker verarbeitet. Ein Gerät mit schmalem Wagen kann kein A3-quer-Papier aufnehmen. Die genauen Maße stehen beim jeweiligen Artikel.
Lagen: 1-fach bis 4-fach
Die Lagenzahl gibt an, wie viele Exemplare pro Druckgang entstehen.
| Lagen | Typische Grammatur je Lage | Typischer Einsatz |
|---|
| 1-fach | 60 bis 80 g/qm | Listen, Protokolle, interne Auswertungen |
| 2-fach | 52 bis 80 g/qm | Rechnung mit Kopie, Lieferschein mit Empfangsbestätigung |
| 3-fach | 52 bis 70 g/qm | Lieferschein, Kopie für Lager, Kopie für Buchhaltung |
| 4-fach | um 60 g/qm | Frachtpapiere, Werkstattaufträge mit mehreren Empfängern |
Die Werte sind Richtwerte aus dem aktuellen Sortiment. Mehrlagige Sätze sind meist selbstdurchschreibend: Die Lagen sind chemisch beschichtet, der Anschlag der Druckernadeln überträgt das Schriftbild ohne Kohlepapier auf die darunterliegenden Blätter. Die Lagen sind am Rand miteinander verbunden, damit sie im Traktor nicht gegeneinander verrutschen.
Je mehr Lagen, desto geringer ist in der Regel die Grammatur je Lage. Das ist kein Qualitätsmangel, sondern Absicht: Dünneres Papier lässt den Anschlag besser durch, sodass auch die letzte Kopie noch lesbar ist. Ein 3-fach-Satz mit 52 g/qm je Lage ist deshalb oft die bessere Wahl als einer mit schwereren Lagen, wenn Ihr Drucker nur wenig Anschlagkraft hat.
Farben und ihre Funktion
Neben Weiß gibt es Endlospapier mit grünen oder blauen Farbtönen. In vielen Betrieben dient die Farbe dazu, Ausfertigungen auf einen Blick zu unterscheiden: Weiß für das Original, eine Farbe für interne Listen oder für eine bestimmte Abteilung. Bei breitem Tabellierpapier erleichtern farbige Ausführungen zudem das Lesen langer Zeilen. Welche Ausführung genau vorliegt, entnehmen Sie der Artikelbeschreibung.
Den richtigen Nadeldrucker-Durchschlag erreichen
Bei mehrlagigem Papier hängt das Ergebnis stark von den Druckereinstellungen ab. So gehen Sie vor:
1. Papierstärke einstellen: Fast alle Nadeldrucker haben einen Hebel oder eine Menüeinstellung für den Abstand des Druckkopfs. Stellen Sie ihn passend zur Lagenzahl ein. Ist der Abstand zu klein, staut das Papier oder der Kopf reißt die oberste Lage ein. Ist er zu groß, wird die letzte Kopie blass. 2. Anschlagstärke prüfen: Manche Geräte bieten einen „Kopiermodus“ mit stärkerem Anschlag. Aktivieren Sie ihn bei 3- und 4-fach-Sätzen. 3. Farbband kontrollieren: Ein ausgelaugtes Farbband schwächt vor allem das Original. Die Kopien sind dagegen vom Band unabhängig, weil sie über die Beschichtung entstehen. 4. Probedruck machen: Drucken Sie nach jedem Papierwechsel eine Testseite und prüfen Sie die unterste Lage.
Fehler und Lösungen
- Papier läuft schief oder staut: Der Traktor ist nicht mittig eingestellt oder die Lochung sitzt nicht auf allen Stiften. Öffnen Sie die Traktorklappen, legen Sie das Papier neu ein und achten Sie darauf, dass beide Seiten gleich straff sind.
- Einrisse an der Lochung: Die Traktoren stehen zu weit auseinander. Verschieben Sie einen Traktor leicht nach innen, bis das Papier glatt, aber nicht gespannt liegt.
- Unterste Kopie kaum lesbar: Druckkopfabstand verringern, Kopiermodus aktivieren oder auf Papier mit weniger Lagen bzw. geringerer Grammatur je Lage ausweichen.
- Papier knickt in der Ablage: Der Stapel steht zu nah am Drucker oder die Ablage ist zu klein. Lassen Sie hinter dem Gerät genügend Platz, damit sich das Papier frei falten kann.
- Wellige Ränder nach dem Abtrennen: Das Papier hat Feuchtigkeit aufgenommen. Lagern Sie die Kartons geschlossen und nicht auf kaltem Boden.
Einsatzbereiche in der Praxis
Lager und Versand: Lieferscheine mit mehreren Ausfertigungen für Kunde, Fahrer und Lager gehören zu den klassischen Anwendungen. Der Nadeldrucker steht oft in staubiger oder kühler Umgebung, in der Laserdrucker an ihre Grenzen kommen.
Werkstatt und Handwerk: Auftragsbelege und Arbeitskarten entstehen direkt aus dem Werkstattsystem, eine Kopie wandert mit dem Fahrzeug oder Werkstück, die andere bleibt im Büro.
Verwaltung und Behörde: Lange Listen, Protokolle und Auswertungen werden aus Bestandssystemen heraus auf breitem Tabellierpapier ausgegeben, oft unbeaufsichtigt über Nacht.
Buchhaltung: Mehrlagige Belege sorgen dafür, dass Original und Kopie inhaltlich garantiert identisch sind – ein Vorteil gegenüber zwei getrennten Ausdrucken.
Einkaufscheckliste
- Maximale Papierbreite des Druckers bekannt?
- Ausrichtung (hoch oder quer) und Formularlänge passend zur Software?
- Benötigte Lagenzahl für alle Empfänger ermittelt?
- Grammatur je Lage für den eigenen Drucker geeignet?
- Farbe für die interne Zuordnung festgelegt?
- Packungsgröße passend zum Monatsverbrauch? Die Packungen umfassen je nach Lagenzahl etwa 400 bis 2.000 Blatt.
Beispielrechnung zum Verbrauch
Ein Großhändler druckt am Tag etwa 120 Lieferscheine im 3-fach-Satz. Pro Monat mit 21 Arbeitstagen ergibt das rund 2.520 Sätze. Bei Packungen mit 600 Sätzen werden also etwa 4 bis 5 Packungen im Monat benötigt. Wer einen Puffer für zwei Wochen einplant, hält rund 7 Packungen vor. Mit Staffelpreisen und Kauf auf Rechnung lässt sich diese Menge regelmäßig ordern, ohne das Lager zu überfüllen.
Lagerung
Endlospapier ist ein Faltprodukt – es behält seine Form nur, wenn es flach und trocken liegt. Lassen Sie die Kartons geschlossen, stapeln Sie nicht zu hoch und lagern Sie sie nicht direkt an Außenwänden. Selbstdurchschreibende Sätze reagieren auf Druck: Schwere Gegenstände auf dem Stapel können Abdrücke auf den Kopien erzeugen. Nach dem Transport aus kalter Umgebung sollte das Papier einige Stunden im Raum liegen, bevor es in den Drucker kommt.
Marken
Im Sortiment finden Sie Endlospapier von SIGEL in zahlreichen Formaten, Lagen und Farben sowie von dundee, unter anderem als 2- und 3-fach-Satz mit 52 g/qm je Lage. Weitere Rollen- und Spezialpapiere finden Sie in der Übersicht Rollen- & Endlospapier.
Kleines Glossar
- Traktor: Mechanik mit Stiften, die das Papier über die Randlochung transportiert.
- Leporello: andere Bezeichnung für zickzackgefalztes Papier.
- Fach: Anzahl der Lagen eines Satzes, z. B. 3-fach.
- SD: selbstdurchschreibend, also ohne Kohlepapier.
- Formularlänge: Länge eines Bogens zwischen zwei Querperforationen, meist in Zoll angegeben.