Kaufratgeber · Lesezeit ca. 7 Min.
Kaum ein Verbrauchsmaterial wird in Handel, Gastronomie und Dienstleistung so selbstverständlich genutzt wie die Thermorolle. Ob Kassenbon an der Ladentheke, Zahlungsbeleg am EC-Terminal, Wiegezettel an der Frischetheke oder Parkschein – überall arbeiten Drucker, die ohne Tinte und ohne Farbband auskommen. Gerade weil die Rollen so unscheinbar sind, wird beim Kauf oft nur auf die Breite geschaut. Damit die Rolle aber ins Fach passt, sauber druckt und lange genug hält, sind noch einige weitere Angaben wichtig. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Thermorollen richtig auswählen, den Verbrauch berechnen, Belege lesbar halten und typische Störungen schnell beheben.
Wie Thermodruck funktioniert
Thermopapier trägt auf einer Seite eine wärmeempfindliche Schicht. Der Druckkopf besteht aus einer Reihe winziger Heizelemente, die punktgenau erhitzt werden. Wo Wärme auf die Schicht trifft, färbt sie sich dunkel – so entsteht Schrift, Logo oder Barcode. Weil keine Tinte und kein Farbband nötig ist, sind Thermodrucker leise, schnell und wartungsarm. Der einzige Verbrauchsartikel ist die Papierrolle.
Daraus folgt: Die Rolle muss mit der beschichteten Seite zum Druckkopf eingelegt werden. Liegt sie falsch herum, kommt ein leerer Bon heraus – einer der häufigsten Supportfälle an Kassen überhaupt.
Die richtigen Maße finden
Für eine passende Thermorolle zählen drei Werte: Breite, Länge bzw. Außendurchmesser und Kerndurchmesser.
Breite
Die Breite muss exakt zur Papierführung passen. Im Sortiment finden Sie unter anderem diese Breiten:
| Breite | Typischer Einsatz |
|---|
| 44 mm | kleine Belegdrucker, Waagen und Spezialgeräte |
| 57 mm | EC-Cash-Terminals, mobile Kartenleser, kleine Kassendrucker |
| 58 bis 62 mm | Waagen, Messgeräte, ältere oder spezielle Belegdrucker |
| 76 mm | einige Kassen- und Küchendrucker |
| 80 mm | Standard-Bondrucker an Registrierkassen und Kassensystemen |
Die Breite wird bei Kassenrollen häufig in Zentimetern angegeben, also 5,7 cm oder 8,0 cm. Gemeint ist dasselbe.
Länge und Außendurchmesser
Bei identischer Breite gibt es sehr unterschiedliche Längen, von 9 Metern bis 80 Metern. Kartenterminals und mobile Kartenleser haben kleine Rollenfächer, in die nur kurze Rollen passen – typisch sind hier 9 bis 14 Meter bei 57 mm Breite. Stationäre Kassendrucker nehmen dagegen große Rollen mit 76 oder 80 Metern auf. Eine zu lange Rolle hat einen zu großen Durchmesser und lässt sich nicht einlegen, eine zu kurze Rolle muss unnötig oft gewechselt werden.
Wenn auf der alten Rolle keine Angabe mehr steht, messen Sie den Außendurchmesser einer vollen Rolle oder sehen Sie in der Bedienungsanleitung nach. Dort ist der maximale Rollendurchmesser fast immer angegeben.
Kerndurchmesser
Die meisten Kassenrollen haben einen Papp- oder Kunststoffkern. Manche Geräte haben eine Achse, auf die die Rolle gesteckt wird, die meisten modernen Bondrucker arbeiten mit einem einfachen Einlegefach. Bei Geräten mit Achse muss der Kern passen.
Beispielrechnung: Rollenlänge aus dem Durchmesser
Steht auf einer Rolle nur der Durchmesser, lässt sich die Länge näherungsweise berechnen. Die Formel lautet: Länge = π × (Außendurchmesser² − Kerndurchmesser²) ÷ (4 × Papierdicke).
Beispiel mit typischen Werten: Außendurchmesser 80 mm, Kerndurchmesser 12 mm, Papierdicke etwa 0,06 mm.
- 80² − 12² = 6.400 − 144 = 6.256
- 6.256 × 3,14 ≈ 19.644
- 19.644 ÷ (4 × 0,06) ≈ 81.850 mm
Die Rolle hat also etwa 80 Meter Länge. Die Rechnung ist ein Näherungswert, denn die Papierdicke schwankt je nach Sorte.
Verbrauch planen
Ein Café druckt pro Tag etwa 250 Bons mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 12 cm. Das sind rund 30 Meter am Tag. Eine Rolle mit 80 Metern reicht damit etwa zweieinhalb Tage. Bei sechs Öffnungstagen pro Woche werden etwa zweieinhalb Rollen verbraucht, im Monat rund 10 Rollen. Für das Kartenterminal kommen zusätzliche 57-mm-Rollen hinzu: Bei 120 Kartenzahlungen am Tag und einem Händlerbeleg von etwa 10 cm sind das rund 12 Meter täglich, also mehr als eine 9-Meter-Rolle pro Tag. Gerade beim Terminal unterschätzen viele Betriebe den Bedarf. Alle Zahlen sind Beispielwerte – Ihre Werte hängen von Bonlayout, Logo und Kundenbelegen ab.
Thermorollen werden meist im Mehrfachpack angeboten, etwa mit 5, 10 oder 20 Rollen. Staffelpreise machen größere Mengen wirtschaftlich, wenn der Lagerplatz geeignet ist.
Belege lesbar halten
Thermodruck ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Wärme, Licht, Feuchtigkeit, Fett und Weichmacher lassen die Schrift mit der Zeit verblassen. Für Kundenbelege ist das unkritisch, für Belege, die in die Buchhaltung gehen, aber ein Thema. Belege müssen während der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist lesbar bleiben; für Buchungsbelege sind das nach HGB und AO in der Regel 8 Jahre. Viele Betriebe scannen Thermobelege deshalb zeitnah ein oder kopieren sie. Wie Sie das in Ihrem Unternehmen regeln, sollten Sie mit Ihrer Steuerberatung abstimmen.
Für die Lagerung abgelegter Belege gilt: dunkel, trocken, nicht in Klarsichthüllen aus Weich-PVC und nicht zusammen mit frisch kopierten Seiten, deren Toner oder Weichmacher die Thermoschicht angreifen kann.
BPA, BPS und phenolfreies Thermopapier
Thermopapier enthält einen Farbentwickler, der bei Wärme mit dem Farbbildner reagiert. Früher war dafür häufig Bisphenol A (BPA) üblich. In der EU ist BPA in Thermopapier seit 2020 nur noch in sehr geringen Mengen zulässig, viele Hersteller sind auf andere Entwickler umgestiegen. Daneben gibt es Thermopapiere, die als BPA- und BPS-frei bzw. phenolfrei angeboten werden. Achten Sie auf ausdrückliche Angaben wie „BPA-frei“, „BPS-frei“ oder „phenolfrei“ – fehlt ein solcher Hinweis, sollten Sie nicht davon ausgehen, dass die Rolle diese Eigenschaft hat. Welche Eigenschaften eine bestimmte Rolle hat, entnehmen Sie bitte der jeweiligen Artikelbeschreibung oder dem Herstellerdatenblatt. Für Mitarbeiter, die täglich viele Bons anfassen, ist das ein Kriterium, das bei der Auswahl Beachtung verdient.
Schritt für Schritt: Kassenrolle wechseln
1. Druckerabdeckung öffnen, meist über eine Taste oder einen Hebel. 2. Leere Rolle bzw. Kern entnehmen und Papierreste aus dem Fach entfernen. 3. Neue Rolle so einlegen, dass das Papier von unten bzw. in Pfeilrichtung zum Druckkopf läuft. Die beschichtete Seite zeigt zum Kopf – im Zweifel hilft der Fingernagel-Test: Die Seite, die beim Kratzen dunkel wird, ist die Druckseite. 4. Einige Zentimeter Papier herausziehen und die Abdeckung schließen. 5. Überstehendes Papier an der Abreißkante abtrennen und einen Testbon drucken.
Fehler und Lösungen
- Bon bleibt weiß: Rolle falsch herum eingelegt oder Normalpapier statt Thermopapier. Rolle umdrehen oder Papierart prüfen.
- Druck blass oder lückenhaft: Druckkopf verschmutzt. Mit einem geeigneten Reinigungsstift oder einem mit Isopropanol befeuchteten Tuch reinigen, wenn der Hersteller das zulässt. Druckdichte im Kassenmenü prüfen.
- Papierstau: Rolle ist zu groß für das Fach oder hat Druckstellen. Rolle mit passendem Durchmesser einsetzen.
- Grauer Hintergrund auf dem Bon: Papier war zu warm gelagert oder ist überaltert. Neue Rolle aus kühler Lagerung verwenden.
- Farbiger Streifen am Rollenende: Viele Rollen haben eine Endmarkierung, die das nahende Ende anzeigt. Dann zeitnah wechseln.
Thermorolle oder Additionsrolle?
Nicht jede Kassenrolle ist eine Thermorolle. Ältere Kassen und druckende Tischrechner arbeiten mit Farbrolle oder Farbband und benötigen Normalpapier. Solche Additionsrollen finden Sie in der Übersicht Rollen- & Endlospapier. Etikettendrucker nutzen eigene Bänder, die unter Endlospapierrolle zusammengefasst sind.
Lagerung
- Kühl, dunkel und trocken lagern, idealerweise im verschlossenen Karton.
- Nicht in der Nähe von Heizkörpern, Kaffeemaschinen, Fritteusen oder Schaufenstern aufbewahren.
- Kontakt mit Weich-PVC, Klebebändern, Ölen und Lösungsmitteln vermeiden.
- Nach dem Prinzip „first in, first out“ verbrauchen, ältere Rollen zuerst.
Marken im Sortiment
Das Thermorollen-Sortiment umfasst Rollen von dots in zahlreichen Breiten und Längen, von Exacompta unter anderem im 10er- und 20er-Pack sowie speziell gekennzeichnete Rollen für SumUp-Kartenleser, von Blue4est®, OLYMPIA und HAUG. Für EC-Cash-Terminals gibt es eigene 57-mm-Rollen in kurzen Längen.
Checkliste vor der Bestellung
- Breite in Millimetern geprüft?
- Maximaler Außendurchmesser des Rollenfachs bekannt?
- Länge passend zum Verbrauch?
- Thermopapier und nicht Normalpapier?
- Getrennte Bevorratung für Kasse und Kartenterminal?
- Kostenstelle für Filiale oder Standort im Kundenkonto hinterlegt?