Kaufratgeber · Lesezeit ca. 6 Min.
Recyclingpapier hat sein Image in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Früher galt es als grau, staubig und störanfällig. Heute laufen Recyclingpapiere in modernen Druckern und Kopierern genauso zuverlässig wie Frischfaserpapier, und einige Sorten sind so hell, dass man den Unterschied kaum noch erkennt. Für Behörden, Schulen, Hochschulen und Unternehmen mit Umweltzielen ist Recyclingpapier oft der Standard. In dieser Kategorie finden Sie Recyclingpapier von STEINBEIS, NAUTILUS® und Clairefontaine, darunter verschiedene Weißegrade für den Bürodruck und farbiges Recyclingpapier für Ordnungssysteme und Aushänge. Dieser Ratgeber erklärt, wie Recyclingpapier entsteht, was Siegel bedeuten, welche Weiße für welchen Zweck genügt und wie Sie den Umstieg im Unternehmen reibungslos gestalten.
Wie Recyclingpapier entsteht
Recyclingpapier wird aus Altpapier hergestellt. Das gesammelte Papier wird in Wasser aufgelöst, von Fremdstoffen wie Klammern und Kunststoff befreit und je nach gewünschter Weiße mehr oder weniger stark von Druckfarben gereinigt. Diesen Schritt nennt man Deinking. Aus dem gereinigten Faserbrei entsteht anschließend auf der Papiermaschine neues Papier. Weil die Fasern bereits einmal verarbeitet wurden, entfällt die energie- und wasserintensive Herstellung von Zellstoff aus Holz. In der Fachliteratur und von Umweltverbänden werden häufig deutliche Einsparungen bei Wasser, Energie und Holz im Vergleich zu Frischfaserpapier genannt; die konkreten Werte hängen von Werk, Sorte und Berechnungsmethode ab.
Wichtig für den Alltag: Recyclingpapier ist kein Papier zweiter Wahl, sondern ein technisch vollwertiges Druck- und Kopierpapier, das für den Einsatz in Laserdruckern, Tintenstrahldruckern und Kopierern ausgelegt ist.
Siegel und Normen verstehen
Rund um Recyclingpapier begegnen Ihnen mehrere Kennzeichnungen. Ein kurzer Überblick:
| Kennzeichnung | Bedeutung (allgemein) |
|---|
| Blauer Engel | Umweltzeichen für Papier aus 100 Prozent Altpapier mit Anforderungen an die Herstellung und an Chemikalien |
| EU Ecolabel | europäisches Umweltzeichen, auch für Papier mit Frischfaseranteil möglich |
| FSC Recycled | Recyclingware nach den Regeln des FSC |
| DIN 6738 | Norm zur Alterungsbeständigkeit von Papier, relevant für Dokumente mit langer Aufbewahrung |
| DIN EN 12281 | Norm für Anforderungen an Papier für Bürodrucker und Kopierer |
Welche Kennzeichnung ein bestimmter Artikel trägt, entnehmen Sie der Produktbeschreibung oder der Verpackung. Für die öffentliche Beschaffung ist der Blaue Engel häufig ein gefordertes Kriterium.
Weiße: wie hell muss es sein?
Der sichtbarste Unterschied zwischen Recyclingpapieren ist die Weiße. Sie wird meist als CIE-Wert oder als ISO-Weiße angegeben. Je heller das Papier, desto mehr Aufwand ist beim Deinking nötig. Als grobe Orientierung:
| Weißebereich (Richtwert) | Optik | Geeignet für |
|---|
| naturfarben, niedriger CIE-Wert | sichtbar gräulich bis cremig | interne Notizen, Entwürfe, Konzeptpapier |
| mittlere Weiße | hell, leicht natürlich | Verwaltung, Schule, Korrespondenz |
| hohe Weiße, deutlich über 100 CIE | nahe an Frischfaserpapier | Kundendokumente, Farbdruck, Präsentationen |
Im Sortiment spiegeln sich diese Stufen wider. STEINBEIS bietet Recyclingpapier mit den Bezeichnungen No.1, No.2 und No.3 in DIN A4 und teils DIN A3 an, NAUTILUS® unter anderem die Sorten Classic, ProCycle und SuperWhite. Der Name SuperWhite deutet bereits auf eine besonders helle Variante hin. Die genauen Weißewerte entnehmen Sie den jeweiligen Produktangaben. Ein praktischer Tipp: Bestellen Sie bei der Umstellung zunächst ein Paket zweier Weißestufen und vergleichen Sie die Ausdrucke im eigenen Büro.
Farbiges Recyclingpapier
Recyclingpapier gibt es nicht nur in Weiß. Clairefontaine Evercolor ist farbiges Recyclingpapier in DIN A4 mit 80 g/m² in Tönen wie hellblau, dunkelblau, rosa, lachs, chamois, gelb, hellgelb und lindgrün. Damit lassen sich nachhaltige Ordnungssysteme aufbauen: farbige Trennblätter für die Ablage, Elternbriefe in der Schule, Formulare nach Abteilungen oder Aushänge am Schwarzen Brett. Gerade öffentliche Einrichtungen mit klaren Beschaffungsrichtlinien können so auch bei farbigem Papier bei Recyclingware bleiben.
Mythen und Fakten
- „Recyclingpapier beschädigt den Drucker.“ Recyclingpapier, das als Druck- und Kopierpapier ausgewiesen ist, wird für den Einsatz in Bürogeräten hergestellt. Druckerhersteller geben gängige Recyclingpapiere in aller Regel frei.
- „Recyclingpapier staubt stärker.“ Moderne Sorten sind sauber geschnitten und staubarm. Staubprobleme entstehen eher durch billige Ware mit schlechten Schnittkanten, unabhängig vom Rohstoff.
- „Recyclingpapier ist nicht für Archive geeignet.“ Viele Recyclingpapiere sind nach DIN 6738 als alterungsbeständig ausgewiesen. Prüfen Sie diese Angabe, wenn Dokumente lange aufbewahrt werden, etwa Unterlagen mit Aufbewahrungsfristen von acht oder zehn Jahren nach HGB und AO.
- „Farben sehen auf Recyclingpapier schlecht aus.“ Auf naturfarbenen Sorten wirken Farben etwas gedämpfter. Für Farbdruck wählen Sie eine hohe Weiße.
- „Recyclingpapier ist immer grau.“ Das Spektrum reicht heute von naturfarben bis hochweiß.
Umstieg im Unternehmen: eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Bestand aufnehmen: Welche Papiersorten werden aktuell an welchen Geräten verbraucht? 2. Einsatzzwecke trennen: Was bleibt intern, was geht an Kunden, was muss lange archiviert werden? 3. Sorten testen: Zwei Weißestufen an den wichtigsten Geräten über einige Tage probedrucken, auch im Duplexbetrieb. 4. Standard festlegen: Für interne Dokumente eine mittlere Weiße, für Außenkommunikation ggf. eine hochweiße Sorte. 5. Team informieren: Kurz erklären, warum umgestellt wird; das erhöht die Akzeptanz. 6. Altbestände aufbrauchen: Frischfaserpapier zuerst verbrauchen, dann umstellen. 7. Verbrauch beobachten: Über Kostenstellen im Kundenkonto lassen sich Verbrauch und Anteil der Recyclingsorten je Abteilung nachvollziehen.
Rechenbeispiel: Wirkung in einem Verwaltungsbüro
Beispielrechnung mit angenommenen Werten: Eine Verwaltung mit 25 Arbeitsplätzen verbraucht im Jahr etwa 250.000 Blatt DIN A4, also 500 Ries oder 100 Kartons. Ein Ries in 80 g/m² wiegt rund 2,5 kg, der Jahresverbrauch entspricht damit etwa 1,25 Tonnen Papier. Wird diese Menge vollständig auf Recyclingpapier umgestellt, stammt das gesamte Papier aus Altpapier statt aus frischem Zellstoff. Wird zusätzlich der Duplexdruck als Standard eingestellt und spart so beispielsweise ein Viertel der Blätter ein, sinkt der Verbrauch auf rund 187.500 Blatt. Beide Maßnahmen zusammen haben eine größere Wirkung als jede für sich.
Für wen sich Recyclingpapier besonders eignet
- Behörden und Kommunen: oft durch Beschaffungsrichtlinien vorgegeben, idealerweise mit Blauem Engel.
- Schulen und Hochschulen: große Mengen für Arbeitsblätter und Skripte, Vorbildfunktion beim Umweltschutz.
- Kitas: Elternbriefe und Aushänge, farbiges Recyclingpapier für Ordnungssysteme.
- Unternehmen mit Nachhaltigkeitsbericht: messbarer Beitrag im Bereich Büromaterial.
- Privathaushalte: für Alltagsausdrucke, Schulunterlagen und Formulare.
Lagerung und Verarbeitung
Recyclingpapier wird wie jedes Druckpapier gelagert: liegend, trocken, in der Originalverpackung, bei normaler Raumtemperatur. Vor dem Einlegen den Stapel kurz auffächern. Für A3-Ausdrucke gibt es STEINBEIS No.1 auch in DIN A3. Wenn Sie neben Recyclingpapier noch weißes oder farbiges Frischfaserpapier benötigen, finden Sie dieses unter Kopierpapier, schwere Sorten für Farbdruck unter Laserpapier. Alle Druckpapiere im Überblick zeigt die Kategorie Kopier- & Druckerpapier.
Kleines Glossar
- Altpapier: Rohstoff für Recyclingpapier, gesammelt aus Haushalten, Büros und Gewerbe.
- Deinking: Entfernen von Druckfarben aus dem Faserbrei; bestimmt maßgeblich die Weiße.
- Frischfaser: Zellstoff, der direkt aus Holz gewonnen wird.
- CIE-Weiße / ISO-Weiße: Messwerte für die Helligkeit des Papiers.
- Alterungsbeständigkeit: Fähigkeit eines Papiers, über lange Zeit nicht zu vergilben oder zu zerfallen, beschrieben in DIN 6738.